Anliegen gestärkt

Der Hamburger Beitrag der Schulkooperation „Rosarot ist eine Mischfarbe“ im Rahmen des Theatertreffens "Unentdeckte Nachbarn" erhält den renommierten BERTINI-Preis.


Die Hamburger Schüler und Schülerinnen haben sich insbesondere mit dem Mord an Süleyman Taşköprü auseinandergesetzt. Der 31jährige wurde vom Nationalsozialistischen Untergrund am 27. Juni 2001 in Hamburg erschossen. „Wir wollen die Perspektiven der Betroffenen stärken und in Erinnerung halten, darüber entscheiden wir als Gesellschaft,“ so Franz Knoppe, Projektleiter des Theatertreffens Unentdeckte Nachbarn. „Dass die Arbeit der Hamburger Schüler ausgezeichnet wird, stärkt unser Anliegen, dass sich junge Menschen mit dem NSU-Komplex auseinandersetzen. Theater und Schulen können Erinnerungsarbeit leisten, auch bevor Gerichtsurteile getroffen wurden“, so Denise von Schön-Angerer, Theaterpädagogin der Theater Chemnitz und Leiterin der Chemnitzer Schüler.  
 
Ziel der Schulkooperation ist es eine Begegnung zu schaffen, zwischen den Städten, die vom NSU-Terror betroffen sind. Auch sollen Perspektiven gewechselt werden, um die Erinnerungs- und Aufarbeitungsarbeit zivilgesellschaftlich voranzutreiben. Das Projekt fand mit Unterstützung des ASA-FF e.V.´s, der Theater Chemnitz, dem Theater-Plauen-Zwickau, JungesSchauSpielHaus Hamburg, der Schulsozialarbeit von Gemeinsam Ziele Erreichen e.V. an der Pestalozzischule Zwickau und der Stadtteilschule am Hafen Hamburg im Rahmen des Theatertreffens Unentdeckte Nachbarn vom 1.-11. November 2016 zwischen Chemnitz, Hamburg und Zwickau statt. In Chemnitz und Zwickau gab es dazu Vorstellungen. Die Chemnitzer und Zwickauer Schüler sind derzeit auf Gegenbesuch in Hamburg und werden gemeinsam mit den Hamburger Schülern dort an der Stadtteilschule am Hafen ihre szenische Umsetzung zeigen. Das Projekt wurde u.a. von der Stadt Zwickau und dem „Kultur macht stark“ Programm finanziell unterstützt. Patin des Projektes ist die Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß der Stadt Zwickau.


Der BERTINI-Preis wird jedes Jahr am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, an junge Hamburgerinnen und Hamburger, in Hamburg, verliehen. Senatorin Melanie Leonhard ehrt zusammen mit Isabella Vértes-Schütter, Intendantin und Vorsitzende des BERTINI-Preis e.V., sowie der Journalistin Anja Reschke die BERTINI-Preis-Träger 2016 am 27. Januar 2017 im Ernst Deutsch Theater, Hamburg. 


Der Name des Preises geht zurück auf den Roman „DIE BERTINIS“, in dem der Hamburger Schriftsteller Ralph Giordano das Schicksal seiner Familie und das Verhalten ihrer Hamburger Mitbürgerinnen und Mitbürger während der Verfolgung in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur schildert. Der Roman geißelt die Ausgrenzung, Verfolgung und Erniedrigung, die viele Hamburgerinnen und Hamburger in jener Zeit erlitten, und er beschreibt Menschen, die damals wegschauten, das Unrecht duldeten oder unterstützten. Er würdigt aber auch jene, die Zivilcourage bewiesen und ihren verfolgten Mitbürgerinnenund Mitbürgern – oft unter Einsatz des eigenen Lebens – geholfen haben.