Preisträger gekürt

Der Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik 2017 geht an Azan Garo für „InnerOuterCity. Dramatische Anrisse einer allgemeinen Verunsicherung in 29 Szenen“. Die Entscheidung wurde bei der Jurysitzung am 12. Dezember einstimmig getroffen.


Der mit 5000,- € dotierte Preis ist mit einer Uraufführung am Schauspiel Chemnitz verbunden. In der Regie von Stephan Beer feiert „InnerOuterCity“ am 28. April 2017 im Ostflügel des Schauspielhauses Premiere.


Die fünfköpfige Jury, bestehend aus Harald Müller (Verlagsleiter von Theater der Zeit), Johannes Schulze (Vorsitzender des Fördervereins der Theater Chemnitz), Stephan Beer (Regisseur), Ulrike Euen (Schauspielerin) und René Schmidt (Dramaturg), wählte das Preisträgerstück aus 54 Einsendungen aus.


Aus der Vielzahl qualitativ hochwertiger Stücke entschied sich die Jury für einen Theatertext, der in seiner offenen Form provoziert. Damit ist nicht allein der dekonstruktive Zugriff auf Terrorparanoia, postfaktische Moral, das Gefühl allgemeiner Bedrohung und westlichen Narzissmus gewürdigt, sondern ebenso die offene Form des Textes. Er unterläuft Rezeptionsgewohnheiten und irritiert mit einem Pluralismus an Mitteln, seine hart gefügten Schnitte verändern schlagartig Deutungen und intensivieren beim Rezipienten das Gefühl unbestimmter Bedrohung. Der Text ist weniger als ein geschlossenes Ganzes zu interpretieren, vielmehr spielt er klug Versatzstücke zeitgenössischen Bewusstseins an.


Azan Garo, geboren 1988 in Mongagua/Brasilien, bilinguale Erziehung. Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik in Sao Paolo, München und Berlin. Teilnahme an diversen Theaterprojekten und interdisziplinären Kunstprojekten in Europa. Arbeitsschwerpunkt: POESIE & POLITIK an den Schnittstellen externer Sprach- und Soundsysteme im Kontext mehrsprachiger Theater- und Radioprojekte. Seit 2009 wohnhaft in Berlin und Brandenburg. September bis November 2016 literarischer Arbeitsaufenthalt in Odessa/Ukraine.


Darüber hinaus erwähnt die Jury lobend Mehdi Moradpours Text „reines land“. Moradpour erzählt auf berührende Weise von der Unbehaustheit der Migrantin Tara, ihrem Überleben in der Heimat unter Bürgerkriegsbedingungen, ihrer Flucht nach Deutschland, dem peniblen Verhör durch die Einwanderungsbehörden sowie Taras Hoffnungen auf ein Ankommen im fremden Land. Ja, beinahe scheint sie es zu schaffen. Ihre Hoffnungen zerschlagen sich allerdings, weil ihr Freund, von dem sie ein Kind erwartet, in die weite Welt aufbricht, um sich zu finden. Zwei Perspektiven prallen unvereinbar aufeinander.


Der Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik wurde 2017 zum vierten Mal verliehen. Die vorherigen Gewinnerstücke waren „Die Erben des Galilei“ von Martin Bauch (2014), „Zerstörte Seele“ von Jan Peterhanwahr (2015) und „die zärtlichkeit der hunde“ von Uta Bierbaum (2016).



Mit freundlicher Unterstützung des Fördervereins der Theater Chemnitz.