Melken / Der Hals der Giraffe

Gastspiel des Deutschen Nationaltheaters Weimar

Sa, 22.04.2016, 20.00 Uhr, Schauspielhaus-Ostflügel 


Melken

von Jörn Klare

Ein alter Mann sitzt auf gepackten Koffern in seiner Wohnung. Das Dorf im Osten der Republik, in dem er sein Leben als Melker verbracht hat, soll er verlassen und zu seiner Adoptivtochter in den Westen ziehen. Aber da gehört er nicht hin, findet er. Doch auch die Heimat ist ihm schon lange abhanden gekommen, spätestens seitdem er seine Arbeit verloren hat. Und jetzt machen sich so viele Fremde im Dorf breit. Die sind ihm nicht geheuer, genauso wenig wie die wenigen Jungen, die geblieben sind und von den ›guten alten Zeiten unter Adolf‹ schwafeln.

Da nützt auch ein spontaner Aufstand im ehemaligen Konsum, jetzt ›Supermarkt‹, nichts mehr. Das komisch-bittere Resümee lautet: »Ich bin ein Melker, der gemolken wurde.«

»Melken« ist das genaue soziale Psychogramm eines Menschen, der sich widerstandslos in drei Gesellschaftssysteme gefügt hat und am Ende erstaunt und ratlos vor der eigenen Biografie steht.


Der Hals der Giraffe

von Judith Schalansky

Inge Lohmark ist seit 30 Jahren Lehrerin für Biologie und Sport an einem Gymnasium im vorpommerschen Hinterland. Sie weiß, wie Schule geht: mit Diszi­plin und Strenge, ohne falsche Kameradschaft und immer mit dem Blick auf das Faktische. Das Wort ›Schwäche‹ kennt sie nicht. Lohmark hält durch, bis der letzte Schüler ihrer 9. Klasse durch's Bio- und Sportabi geschleift und die Schule in Ermangelung nachwachsender Schüler geschlossen wird. Zu Hause ist auch nicht mehr viel los: Zweckehe mit einem früheren LPG-Besamungstechniker, jetzt Straußenzüchter. Die Tochter seit 12 Jahren in den USA. Kontakt nur sporadisch. Da gibt es nicht viel zu lachen. Aber plötzlich erwischt es Inge Lohmark: Erika, Schülerin, 15 Jahre, bringt ihren wohlsortierten Gefühlshaushalt durcheinander und die perfekte Fassade zum Bröckeln.


Dauer: 2 Stunden 30 Minuten / incl. 1 Pause

Preis: 14,00 Euro